Internationaler Infobrief Stellantis Nr. 34 – August 2026
Von der Konzernkoordinierung Stellantis in der IAC: Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Konzernherren von Stellantis haben bei der Verkündung ihrer „Strategie“ im Mai viel Mühe darauf verwendet, uns Arbeiter in Sicherheit zu wiegen. Für verschiedene Werke wie Cassino, Pomigliano, Melfi, Mulhouse, Rennes, Saragossa, Vigo oder Rüsselsheim werden große Versprechungen gemacht. Aber es gibt keine Sicherheit für uns, überall wird die Arbeit weiter verdichtet und wir lassen uns auch nicht in angebliche „Gewinnerwerke“ und „Verliererwerke“ spalten.
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In der Autoindustrie ist die Vernichtungsschlacht in vollem Gange. Immer neue Autokonzerne besonders aus China und Indien drängen auf den stagnierenden Weltmarkt und versuchen andere zu verdrängen. Bei vielen Betrieben wird die Umstellung auf Rüstungsproduktion voran getrieben. Wie ist das bei euch? Wir Arbeiter sind gegen Kriegswirtschaft, weil wir gegen den imperialistischen Krieg sind. Arbeiter schießen nicht auf Arbeiter! Faschistische Kräfte werden in vielen Ländern gefördert, die Feindbilder aufbauen und unsere Gewerkschaften und Tarifverträge zerschlagen wollen. Sie leugnen die globale Klimakatastrophe, obwohl die Hitze Mensch und Umwelt schädigt, vor allem wenn man in einer Fabrikhalle arbeiten muss.
Volkswagen will 120.000 Arbeitsplätze vernichten und mindestens vier Werke schließen, General Motors plant die Streichung von 74.000 Jobs und bis zu 21 Werken, bei Porsche stehen 9000 Arbeitsplätze in Frage, bei BMW 8000, bei Bosch 22.000, Continental 3.000, ZF 7.600. Das Stellantis-Motorenwerk Douvrin ist bereits geschlossen, Poissy folgt. Weltweit geht es um hunderttausende Arbeitsplätze in der Autoindustrie! Dagegen stehen immer mehr Belegschaften auf. Hier ein kleiner Überblick, nur aus Deutschland: Als der Plan zur Schließung des Audi-Werks in Neckarsulm bekannt wurde, hat die Polizei mehrere Verteiler einer Kollegenzeitung festgenommen und in Handschellen abtransportiert. Die Kriminalisierung der Arbeitersolidarität richtete sich besonders gegen beteiligte Vertreter der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands. Aber die Verteiler ließen sich nicht einschüchtern, kamen am nächsten Tag wieder und bekamen große Solidarität von den Audi-Kollegen. Das beflügelte auch andere Belegschaften: 33.000 Mercedes-Arbeiter in Deutschland protestierten am 3.7. gegen Kürzung ihrer Löhne und gegen geplante Angriffe auf die 35-Stundenwoche durch die Regierung. Am 8. Juli fanden in vielen Werken selbständige Aktionen statt unter dem Motto: „Mitbestimmung durch Streik“. Am 9. Juli haben an allen Standorten von VW und Audi in Deutschland Tausende vor den Werkstoren protestiert. Ein Bus mit Opel-Kollegen aus Eisenach fuhr zu den VW-Kollegen in Zwickau. Fast 1000 Kollegen feierten hier am Tor die konzernübergreifende Solidarität. Sie erinnerten an den Aktionstag in Eisenach im Oktober 2021, als vier Busse aus Zwickau den Konzernherren Angst einjagten. Am 29. Juli versammelten sich erneut 6000 Kollegen bei Audi Neckarsulm vor den Toren. Auch in Belgien und Ungarn gab es Protest-Aktionen von Automobilarbeitern. In kürzester Zeit sind 11 internationale Grußadressen eingegangen, die sich gegen die Entlassungen und gegen die Repression geäußert haben. In Brasilien ist die Solidaritäts-Presserklärung der MLPD im revolutionären Nachrichtenportal Inverta der PCML Brasilien erschienen. Rückmeldungen kamen aus Indien von SUCIC und SEM; aus Bangladesh von SLF; von den Phillipinen von Coni; in Europa aus den Niederlanden vom Rode Morgen und von ATIK, in Lateinamerika aus Brasilien und Argentinien und aus den USA von der MCU, aus Afrika die Weltkoordinatorin der Weltfrauenkonferenz. Ein wichtiger Schritt, unsere Kämpfe auch international zu koordinieren - nur so kann unser Motto „kein Kampf darf alleine stehen“ auch verwirklicht werden!
Und es geht weiter: Die nächsten Aktionen sind am 3.9. bei VW anlässlich der Aufsichtsratssitzung und ein gewerkschaftlicher Aktionstag der gesamten Autoindustrie in Deutschland ist am 21. September. Am 26. September ruft der Deutsche Gewerkschaftsbund zu Demonstrationen gegen die Angriffe der Regierung auf die erkämpften Sozialleistungen in allen Bundesländern auf. Wir brauchen viel mehr Informationen auch aus anderen Ländern, denn wir sind sicher, dass die Arbeiter überall kämpfen und wir müssen die aktive internationale Solidarität durch Solidaritätserklärungen und gegenseitige Besuche verstärken. Wichtig sind auch Berichte über Diskussionen, was die Kollegen noch am kämpfen hindert.
Wie entwickelt sich die Situation bei Stellantis?
Stellantis ist Vorreiter der Zusammenarbeit mit chinesischen Konzernen. Es gibt bisher bekannte Verhandlungen mit einem halben dutzend chinesischer Konzerne, insbesondere Dongfeng, Leapmotor, BYD und Changan. Aus Sicht der Konzernleitung um Antonio Filosa ist eine Produktionskapazität von etwa 800.000 Autos pro Jahr überflüssig. Verschiedene chinesische Konzerne haben Interesse daran, solche Kapazitäten in europäischen Werken zu nutzen. Damit können sie die hohen Einfuhrzölle nach Europa umgehen. Für Stellantis wiederum geht es darum, aus Angst vor Arbeiterkämpfen offene Werksschließungen zu vermeiden. Außerdem wenden sie die Taktik an, Joint Ventures mit chinesischen Konzernen zu gründen mit einer Mehrheitsbeteiligung von Stellantis. Damit zählen die E-Autos chinesischer Marken mit in den Flottenverbrauch von Stellantis und man vermeidet hohe Strafzahlungen wegen Überschreiten der Emissions-Grenzwerte.
Was wie eine win-win-Situation aussehen soll ist in Wirklichkeit nur die Vorbereitung einer massiven Verschärfung der Vernichtungssschlacht der Konzerne. Während der Markt in Europa stagniert, wird die Produktion gesteigert durch Nutzung freier Kapazitäten durch chinesische Konzerne. Diese Konzerne haben zusammen bereits jetzt einen höheren Marktanteil in Europa als VW, bei schnell steigender Tendenz. Ohne die Einfuhrzölle können sie noch günstigere Preise anbieten und die europäischen Konzerne massiv zurück drängen. So wird eine neue, noch größere Runde von Werksschließungen vorbereitet. Aber auch wir werden vorbereitet sein! In Deutschland entstehen derzeit Widerstandsgruppen zur Verteidigung der Arbeitsplätze und der erkämpften Rechte. Wie ist die Stimmung, die Organisiertheit, die Kampfbereitschaft in euren Werken?
Angesichts dieser Entwicklungen ist die internationale Arbeitereinheit mehr denn je herausgefordert. Nur international koordiniert können wir eine überlegene Kraft aufbauen. Dagegen wirkt bei vielen Belegschaften noch ein engstirniges Standortdenken. Die Führungen der meisten großen Gewerkschaften setzen oft nur auf die Standorte im jeweiligen Land oder fordern gar Investitionen, Zölle oder Subventionen zu Gunsten der jeweiligen nationalen Industrie. Andererseits gibt es bei Kräften bis in die Führungsriege der deutschen IG Metall mittlerweile auch kämpferische Töne und Aktivitäten. Das gilt es in der Gewerkschaftsarbeit zu fördern und das enge nationale Denken zu durchbrechen. Der internationale Aktionstag bei Stellantis im März war nur ein erstes Warmlaufen. Es ist nötig, dass wir unsere Arbeit noch besser koordinieren. Dazu haben wir bei der 3. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz in Pune eine Internationale Koordinierungsgruppe sowie auch Konzernsprecher gewählt. Aber die Sprecher können nur koordinieren, was in den verschiedenen Ländern und Werken real passiert. Die Zusammenarbeit braucht einen ständigen Informations- und Erfahrungsaustausch.
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