Internationaler Infobrief Stellantis Nr. 32 – April 2026
21. April 2026: Von der Konzernkoordinierung Stellantis in der IAC: Der internationale Aktionstag bei Stellantis am 24. März war noch ein „Warmlaufen“ für den konzernweiten Kampf.
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Der internationale Aktionstag am 24. März war kein gewöhnlicher Protesttag. Er war eine erste Kampfansage, ein Signal – und vielleicht am treffendsten das, was ein Kollege bei Opel Eisenach (Deutschland) am offenen Mikrofon sagte:
„Vor jedem Fußballspiel muss man sich als erstes warm laufen. Das hier ist das Warmlaufen für den konzernweiten Kampf um jedes Werk, um jeden Arbeitsplatz und für die 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich im Konzern.“
Der Aktionstag geht auf einen gemeinsamen Beschluss des Konzernforums Stellantis auf der 3. Internationale Automobilarbeiterkonferenz im November 2025 in Pune (Indien) zurück. Die Angriffe auf unsere Arbeitsplätze, unsere Löhne und Arbeitsbedingungen nehmen zu. Werksschließungen stehen im Raum und werden vorbereitet. Gleichzeitig erleben wir eine dramatische politische Entwicklung, in der Aufrüstung, Krisen, faschistische Gefahr, Umweltzerstörung und soziale Einschnitte eng miteinander verbunden sind. In vielen Gesprächen während des Aktionstags wurde deutlich: Die Frage nach der Zukunft unserer Arbeitsplätze hängt mit den großen gesellschaftlichen Fragen untrennbar zusammen. Die Umstellung auf Elektro-Antriebe ist nötig, aber nicht auf Kosten der Arbeitsplätze! Und Umstellung auf Rüstungsproduktion kann für uns als Arbeiter keine Option sein, denn Kriegswirtschaft bedeutet Krieg. Am 6. Februar leisteten Hafenarbeiter in mehreren Ländern Koordinierten Widerstand gegen diesen Kurs, indem sie die Verladung von Rüstungsgütern verweigerten. Bei Volkswagen und bei Ford in Köln (Deutschland) haben Gewerkschafter öffentlich ihren Widerstand gegen Rüstungsproduktion erklärt.
Gerade wegen dieser politischen Dimension ist die Idee der internationalen Arbeitereinheit so anziehend. Denn nur gemeinsam sind wir stark. Viele erinnern sich noch gut an frühere gemeinsame Erfahrungen – etwa an den erfolgreichen Aktionstag 2021 in Eisenach, als internationale Solidarität konkret dazu beitrug, das Werk zu verteidigen.
Was war los am Aktionstag?
In Deutschland zeigte sich am deutlichsten, welches Potenzial vorhanden ist. In Eisenach, Bochum und Rüsselsheim beteiligten sich viele Kolleginnen und Kollegen aktiv. In Eisenach gab es bereits am Vortag eine Versammlung in der Spätschicht, zusätzlich informierte die Betriebszeitung „der Blitz“ alle Werke in Deutschland. Am Aktionstag selbst versammelten sich Kollegen in Rüsselsheim mit einem Transparent im Betrieb. In Eisenach trugen sich innerhalb von eineinhalb Stunden rund 250 Kolleginnen und Kollegen auf dem Transparent mit unserer internationalen Hauptlosung ein. Auch in Bochum mit rund 100 Teilnehmern zeigte sich: Wenn Aktionen gut organisiert sind, sind viele Kollegen gerne dabei. Für Rüsselsheim wurde inzwischen die Vernichtung von weiteren 650 Arbeitsplätzen im Entwicklungszentrum verkündet. Seit dem Jahr 2017 wurde die Belegschaft von damals 15.000 auf heute 6800 verringert. Die Zusage eines Kündigungsschutzes bis 2029 hat das nicht verhindert. Aber es gab zunehmend kämpferische Aktionen, z.B. für die Übernahme aller Leiharbeiter.
Internationale Erfahrungen mit Perspektive
In Poissy bei Paris wurden am Werkstor Flugblätter verteilt, Gespräche geführt und Unterschriften gesammelt. Kolleginnen und Kollegen trugen sich mit Botschaften ein wie „Wir müssen kämpfen!“ oder „Danke, dass ihr für alle kämpft!“. Die Atmosphäre war kämpferisch, unterstützt durch Musik und direkte Ansprache. Eine Korrespondentin berichtete, dass zu wenig Material vorhanden war – das Interesse war größer als erwartet. Gleichzeitig haben sich neue aktive Kolleginnen und Kollegen gemeldet, die sich künftig beteiligen wollen. Für das Werk Poissy wurde inzwischen das Ende der Autoproduktion offiziell angekündigt. Eine ähnliche Aktion in Turin (Italien) am Fiat-Hauptwerk Mirafiori musste leider wegen einem wichtigen Streik in einem anderen Betrieb kurzfristig verschoben werden. Vier Tage vorher streikte die Belegschaft in Cassino (Italien) gegen das Ausbluten des Werkes. In Argentinien wurde der Aktionstag verbunden mit dem Gedenken an die Opfer des faschistischen Putsches vor genau 50 Jahren und besonders an den revolutionären Gewerkschafter René Salamanca. In den USA erschien zum Aktionstag das Interview mit drei Vertretern der Automobilarbeiterkoordinierung in der Zeitung der UAWD „Daily Struggle“.
Und dennoch müssen wir nüchtern feststellen: Von einem wirklich konzernweiten Aktionstag sind wir noch ein Stück entfernt. In mehreren Ländern blieben Rückmeldungen aus, die CGT Stellantis in Frankreich ist trotz Zustimmung nicht aktiv geworden. Es wundert uns nicht, dass es auch viel Gegenwind gibt. In jedem Land wird nationalistisches Gift verbreitet, damit die Kollegen nur an das jeweilige Werk, an das jeweilige Land denken sollen. Viele Gewerkschaftsführer fordern Investitionen nur für das jeweilige Land und nicht in anderen Ländern. Aber die Kollegen in den anderen Werken sind nicht Konkurrenten. Wir sind eine internationale Konzernbelegschaft und einer internationale Arbeiterklasse mit einem gemeinsamen Gegner. Der Aktionstag hat deutlich gemacht, dass die internationale Arbeitereinheit nicht nur eine Idee ist – sie wird von vielen Kolleginnen und Kollegen gelebt. Die Zustimmung zu den gemeinsamen Forderungen ist sehr groß, muss aber noch viel besser organisiert werden. Vor allem müssen wir mehr Wert darauf legen, die Jugend in -aktivitäten einzubeziehen. Es geht um ihre Zukunft.
Ein konzernweiter Kampf entsteht nicht von selbst und kann nicht einfach ausgerufen werden. Er muss vorbereitet werden – in jedem Werk, gemeinsam mit immer mehr Kolleginnen und Kollegen, die Verantwortung übernehmen. Dort, wo frühzeitig informiert wurde, wo Versammlungen stattfanden und wo persönliche Gespräche geführt wurden, war die Beteiligung deutlich höher. Der Schlüssel liegt in der direkten Überzeugungsarbeit, in der organisierten Zusammenarbeit, im Aufbau von Vertrauen. Das alles geht nicht über Nacht.
Ebenso wichtig ist der internationale Austausch, kontinuierliche Informationen und Rückkopplungen. Die wachsende internationale Zusammenarbeit braucht feste Verbindungen – nicht nur punktuelle Aktionen. Bei aller positiven Entwicklung bleibt festzuhalten: Dieser Aktionstag allein wird die Pläne der Konzernspitze nicht aufhalten. Das wissen viele Kolleginnen und Kollegen sehr genau. Aber er hat Kräfte sichtbar gemacht, Verbindungen geschaffen und gezeigt, dass eine gemeinsame Perspektive möglich ist. Der Gedanke der internationalen Arbeitereinheit führt zu der Überzeugung, dass wir eine überlegene Kraft gegen die Kapitalisten werden können. Eine Gesellschaft ohne Ausbeutung, Umweltzerstörung und Krieg ist möglich. Gerade der 1. Mai steht für die Vision der Arbeiterbewegung einer befreiten Gesellschaft, die für viele Menschen der Sozialismus ist.
Die nächsten Schritte
Wir schlagen vor, überall am 1. Mai die gemeinsame Botschaft sichtbar in die Öffentlichkeit zu tragen: Keine Werksschließungen, keine Entlassungen – kein Werk steht allein! Für die 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich im Konzern! Die Transparente mit dieser Losung, die zum Aktionstag entstanden sind, müssen auf den Demonstrationen unbedingt gemeinsam getragen werden. Nicht nur in den USA erwacht ein neues Bewusstsein über den 1. Mai als internationaler Kampftag der Arbeiterklasse. Es ist gut, dass oft der Demonstrationszzug am 1. Mai mit dem Gesang der „Internationale“ auf den Kundgebungsplatz einzieht.
Am 21. Mai will die Konzernspitze von Stellantis ihre Strategie vorstellen. Wir schlagen vor, an diesem Tag die betrieblichen Aktionen zu steigern: Egal, was ihr da oben verkündet, wir akzeptieren keine Werksschließungen, keine Arbeitsplatzvernichtung! Wir haben die positive Antwort mit der 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich im Konzern! Aktionen müssen gut vorbereitet werden, unbedingt müssen neue Kolleginnen und Kollegen einbezogen werden. Entscheidend wird sein, die begonnenen Verbindungen weiter auszubauen. Aus einzelnen Aktionen muss immer mehr eine starke gemeinsame Bewegung werden.
Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
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