Internationaler Infobrief Stellantis Nr. 30 – Februar 2026 - Internationaler Aktionstag Stellantis am 24. März: Worum geht es und wie bereiten wir uns vor?
Im November 2025 hat die 3. Internationale Automobilarbeiterkonferenz in Pune/Indien stattgefunden. Im Konzernforum für Stellantis haben wir dort beschlossen, einen internationalen Aktionstag vorzubereiten. Damit wollen eine gemeinsame Kampfansage gegen die drohenden Werksschließungen und Entlassungen im Stellantis-Konzern machen, und zwar bevor die Pläne im Detail bekannt werden.
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Wir lassen uns nicht in „Verliererwerke“ und „Gewinnerwerke“ spalten! Die CGT Stellantis Frankreich hat in ihrer Grußbotschaft an die Konferenz den Aktionstag ausdrücklich unterstützt. In vielen Gewerkschaften in Europa wird über mögliche gemeinsame Aktionen diskutiert. Wir laden alle Kräfte der Arbeiterbewegung zur Zusammenarbeit ein. Die gewählten Sprecher der Konzernkoordinierung haben als Termin des Aktionstags den 24. März 2026 vereinbart.
Der gemeinsame Aufruf dafür ist Anfang Februar veröffentlicht worden. Ihr findet ihn auch in sechs Sprachen auf der webseite www.automotiveworkers.org. Er wird verbreitet in Brasilien, Mexico, Italien, Indien, USA, Frankreich, Deutschland, Polen, Spanien, Serbien, Großbritannien, Ungarn, Argentinien, Portugal und Marokko.
Wie ist die Lage bei Stellantis?
Inzwischen ist die tiefe strukturelle Krise bei Stellantis und in der europäischen Autoindustrie offensichtlich. Stellantis hat verkündet, 22 Millarden Dollar für Investitionen abzuschreiben und die Rolle rückwärts zum Verbrennermotor zu machen. Das ist wirtschaftlich eine Sackgasseund es ist ein Verbrechen an der Umwelt und an der Zukunft der Menschheit, weiter auf fossile Antriebe zu setzen! Stellantis liegt hier auf einer Linie mit reaktionären und faschistischen „Klimaleugnern“.
Am 21. Mai will Stellantis-Chef Antonio Filosa seine „Strategie“ für den Konzern verkünden. Er soll vorher erfahren, dass wir Arbeitsplatzvernichtung, Werksschließungen und verschärfte Ausbeutung nicht kampflos hinnehmen werden. Wir sind solidarisch mit den Kollegen in Poissy/Frankreich, wo die Produktion eingestellt werden soll, und wir sind solidarisch mit den Kollegen in Tychy/Polen, wo über 700 Arbeitsplätze vernichtet werden sollen.
Unser Aktionstag soll eine Ermutigung und Orientierung für die Kolleginnen und Kollegen werden, die angesichts der Angriffe oft wenig Vertrauen in die eigene Kraft haben. So haben z.B. bei Opel in Eisenach/Deutschland oder bei Fiat in Melfi/Italien einige aktive Gewerkschafter mit Abfindungen den Betrieb verlassen. Auf der anderen Seite haben in Turin/Italien die großen Gewerkschaften am 13. Februar einen Streik mit Demonstration von 4000 Kolleginnen und Kollegen der Autoindustrie durchgeführt. Die Beschäftigten wehren sich hier vor allem gegen die extreme Arbeitshetze mit der Steigerung der Produktion. Das zeigt: Es ist für uns Arbeiter keine Entwarnung, wenn ein Werk angeblich „sicher“ ist. Die einen sollen gefeuert werden, die anderen sollen deren Arbeit mit machen – aber nicht mit uns! Wir stellen dagegen unsere gemeinsame Forderung nach der 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich. Wir lehnen auch die Umstellung auf Rüstungsproduktion ab. Wir wollen keine Mordwaffen bauen gegen die Arbeiter in anderen Ländern. Das wird in der aktuellen Situation der wachsenden akuten Weltkriegsgefahr und in vielen Ländern einer akuten faschistischen Gefahr zu einer brennenden Frage. In Deutschland kandidieren bei den Betriebsratswahlen in einigen Betrieben faschistische Listen. Dagegen gibt es aber auch eine starke antifaschistische Bewegung auch mit gewerkschaftlichen Veranstaltungen.
Was passiert am 24. März?
Unser Aktionstag dient als eine erste Kampfansage an die Konzernspitze, aber auch als Ermutigung der Kolleginnen und Kollegen, dass wir eine starke gemeinsame Kampffront im Konzern aufbauen können. Die Aktivitäten in den verschiedenen Werken werden sicher sehr unterschiedlich sein. Es kann kein einheitliches Schema geben, weil die Bedingungen, die Kräfteverhältnisse und auch die rechtliche Situation in den Ländern und Werken verschieden sind. Wenn es möglich ist, am Aktionstag zu einem Streik aufzurufen, dann ist das sehr gut. Wir wissen von Werken in Italien oder in Deutschland, dass gemeinsam mit möglichst vielen Kollegen Kundgebungen vor den Toren bei Schichtwechsel vorbereitet werden. Dafür werden Transparente gemacht, Redebeiträge vorbereitet, aber auch Musik und Verpflegungsangebote sind wichtig. Jeder kann etwas beitragen. Es hat sich bewährt, dass die Kollegen sich auf einem großen Transparent mit ihrer Unterschrift unseren Forderungen anschließen können. Entscheidend für den Erfolg sind die Diskussionen in der Vorbereitung in Betrieben und Gewerkschaften. Es geht um tägliche Überzeugungsarbeit zur Ermutigung der Kollegen, zur Überwindung von Illusionen und Vorbehalten.
In manchen Werken wird es Versammlungen im Betrieb geben, in Pausen oder während der Arbeitszeit. Aus Frankreich wird vorgeschlagen, zur Vorbereitung Aufkleber zu produzieren. Wer kann die Gestaltung eines solchen Aufklebers übernehmen? Wer kann ein Plakat für den Aktionstag und für den 1. Mai entwerfen? In den USA veröffentlicht die Zeitung der UAWD „Daily Struggle“ ein Interview mit drei Vertretern der IAC, wo auch der Aktionstag bekannt gemacht wird.
Es ist wichtig, dass ihr die Konzernkoordinierung informiert und eure Fragen stellt. Wir wollen vor dem Aktionstag noch einen weiteren internationalen Infobrief machen. Und meldet Erklärungen, Aufrufe und Erfahrungberichte zur Vorbereitung des Aktionstags immer gerne auch an die Homepage www.automotiveworkers.org, damit sich alle informieren können.
Was ist unsere gemeinsame Botschaft?
Wie auch immer die Aktionen an dem Tag aussehen, es soll von jedem Standort eine gemeinsame Botschaft ausgehen: Wir warten eure Angriffe nicht ab, sondern wir erklären gemeinsam als Konzernbelegschaft:
Nein zu Werksschließungen und Entlassungen - kein Werk steht alleine!
Für die 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich im Konzern!
Das kann auf Transparenten, Aufklebern, Plakaten und Schildern stehen, es kann durch Videos aus den Betrieben bekräftigt werden oder auch mit eigenen Aufrufen und Forderungen ergänzt verbreitet werden.
Wie geht es danach weiter?
Der Aktionstag dient auch dazu, Kräfte zu sammeln und zusammen zu schließen für weitere Aktionen, die sich steigern sollen. Wir schlagen vor, auch am 1. Mai mit unserer gemeinsamen Botschaft auf Transparenten und Plakaten überall in den Städten der Stellantis-Werke bei den Kundgebungen einheitlich aufzutreten. Danach kommt der „Tag X“ am 21. Mai, wo Filosa seine Pläne bekannt geben will. Auch das wird ein Anlass für Aktionen sein. Damit eine Aktion auf der anderen aufbaut, brauchen wir eure Erfahrungsberichte. Berichtet uns über Diskussionen mit den Kollegen, ihre Hoffnungen und Illusionen, ihre Zweifel und Ängste, ihre Vorschläge und Fragen, vielleicht auch Bedenken zu unseren Positionen zur Elektromobilität oder zur Rüstungsproduktion.
Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
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