Internationaler Infobrief GM-Stellantis Nr. 27 – September 2025
26. September 2025: Von der Konzernkoordinierung Stellantis/GM in der IAC: Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir wenden uns kurzfristig erneut an euch wegen der Herausforderung an die internationale Stellantis-Belegschaft durch mehr oder weniger offene Schließungspläne. Die Belegschaft des Werkes Poissy / Frankreich soll im Oktober für drei Wochen zu hause bleiben. Ihr Hauptprodukt, der Opel Mokka läuft im Jahr 2028 aus – bisher ohne Nachfolge-Modell. Jetzt wurde bekannt, dass Politiker der Region bereits mit dem Fußballclub PSG verhandeln, der sein neues Stadion auf dem Gelände des Stellantis-Werkes in Poissy plant.
Download PDF

Die Kolleginnen und Kollegen protestieren unter anderem am Streiktag 18. September in Paris öffentlich gegen Schließungspläne.Zugleich werden auch fünf weitere Werke in Europa zeitweise geschlossen: Tychy / Polen, Pomigliano / Italien, Zaragoza und Madrid / Spanien sowie Eisenach / Deutschland. In Eisenach wurden Pläne bekannt, die Produktion auf eine Schicht zu reduzieren, nachdem gerade erst im September von zwei auf 1,5 Schichten herunter gefahren wurde. Auch das Werk Rüsselsheim / Deutschland läuft nur in einer Schicht. Bei Opel Rüsselsheim haben sie 6000 Einheiten heruntergefahren. Hier besteht die Vermutung, dass sie demnächst massenhaft Leiharbeiter entlassen.
Hintergrund ist die Kombination von Weltwirtschafts- und Finanzkrise mit den Strukturkrisen in der Autoindustrie bei der Umstellung auf elektrische Antriebe und weiterer Digitalisierung. Dabei fällt Stellantis im internationalen Konkurrenzkampf zurück – aber das ist nicht unser Problem!. Im 1. Halbjahr ist der Marktanteil von Opel in Europa nochmal von 3,4 auf 3,0 Prozent gesunken (das sind nochmal 28.000 Autos weniger als letztes Jahr). Gleichzeitig sind die Konzernmarken Citroen von 3,2 auf 2,8 Prozent gesunken und Fiat von 2,9 auf 2,2 Prozent. Wir dürfen nicht auf ihr Lamentieren „wir sitzen in einem Boot“ hereinfallen. Warum sollen wir ihren Konkurrenzkampf ausbaden? Sie wollen uns gegeneinander ausspielen, wir sollen für immer weniger Lohn arbeiten. Da machen wir nicht mit ! Wir müssen unsere eigene Rechnung aufmachen.
Wir schlagen vor, konzernweit nicht nur um jeden Arbeitsplatz, sondern auch für die 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich zu kämpfen. Wir fördern Kampfaktionen und Solidaritätsbesuche der Belegschaften, den gegenseitigen Austausch von Kampferfahrungen.
In dieser Situation kommt die dritte internationale Automobilarbeiterkonferenz (IAC) vom 20. bis 24. November 2025 in Pune (Indien) genau richtig! Wir Automobilarbeiter lassen uns nicht vor den Karren nationalistischer, faschistischer und militaristischer Politik spannen. Umstellung auf Rüstungsproduktion lehnen wir ab – wir wollen nicht Mordwaffen gegen Arbeiter anderer Länder produzieren! Wir sind solidarisch mit allen Kolleginnen und Kollegen, die politisch unterdrückt werden wegen ihrer Haltung gegen Krieg und Faschismus. Seien es Hafenarbeiter in Italien, Schweden oder Griechenland, Transportarbeiter an Flughäfen wie in Leipzig /Deutschland, wo Kollegen protestiert haben gegen Waffenlieferungen an Israel für den Völkermord in Gaza. Wir unterstützen auch solidarisch Kolleginnen und Kollegen bei CATL in Deutschland, die vom Betrieb abgemahnt wurden, weil sie am 1. Mai gegen Faschismus und Krieg demonstriert haben.
Unser Konzept der internationalen Solidarität, der internationalen Kampfeinheit der Arbeiter, unser gemeinsames Ringen für eine befreite Gesellschaft ohne Ausbeutung von Mensch und Natur, ist das beste Gegenmittel gegen diese reaktionäre und faschistische Tendenz. Deshalb wird bei der 3. IAC die weitere Verbesserung der realen Zusammenarbeit beraten unter dem Motto: „Kein Kampf darf mehr alleine stehen!“
Die IAC ist aber nicht nur ein Zusammenschluss für Abwehrkämpfe, sondern wir melden selbstbewusst den Anspruch an, eine führende Rolle im Kampf um die Zukunft der Menschheit zu übernehmen: Für die Rettung der Lebensgrundlagen der Menschheit vor Umweltkatastrophe und Atomkriegsgefahr, für eine befreite Gesellschaft! Dafür brauchen wir eine weltweite Einheitsfront. Über all dieser Fragen werden wir in Pune gründlich beraten können, wir werden aber auch gemeinsam feiern und uns besser kennenlernen, und so die Vertrauensbasis untereinander stärken. Macht mit!
Aus Italien, Deutschland, Brasilien, Mexiko, Südafrika, Venezuela oder den USA und natürlich aus Indien haben sich Automobilarbeiter und ihre Freunde angemeldet. Es ist höchste Zeit, sich jetzt für die Konferenz anzumelden unter registration@iawc.info.
In den verschiedenen Ländern sollen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Zusammensetzung der Delegation verständigen und gemeinsam Länderberichte vorbereiten. Weitere Informationen über den Ablauf der Konferenz, über Anreise, Unterkunft oder Visa findet ihr unter www.automotiveworkers.org.
Mit solidarischen Grüßen
Eure Konzernkoordinierung
Artikelaktionen
