Bericht von SI Cobas: DER GENERALSTREIK AM 11. OKTOBER IN ITALIEN

(Information von SiCobas Internationalismus (Roberto) vom 15.10.2021) Am Montag, den 11. Oktober, wurde in Italien von fünfzehn alternativen Gewerkschaften ein Generalstreik ausgerufen. Es war seit über einem Jahrzehnt der erste gemeinsame Streik, um das Schweigen zu brechen, das der Arbeiterklasse von den offiziellen Gewerkschaften (CGIL, CISL und UIL) auferlegt war, Diese stimmen sich lieber mit der Regierung ab, als Kämpfe zur Verteidigung der Arbeitsbedingungen zu organisieren.

Der Streik wurde gegen die Regierung und die Bosse ausgerufen, um eine Liste von Forderungen zu unterstützen , darunter:

  • Lohnerhöhungen, um die verlorene Kaufkraft und steigende Inflation (vom Benzin bis zu den Gas- und und Strompreisen) auszugleichen;
  • Stopp der Entlassungen von Arbeitern, Arbeitszeitverkürzung mit Lohnausgleich, um "weniger arbeiten, damit alle arbeiten";
  • ein existenzsichernder Mindestlohn und Arbeitslosenunterstützung;
  • Dauerhafte Arbeitsplätze gegen die Prekarität von Zeitarbeit und befristeten Arbeitsplätzen;
  • keine Steuern auf existenzsichernde Löhne, 10 Prozent Vermögenssteuer für die reichsten 10 Prozent;
  • öffentliche, allgemeine, kostenlose Gesundheitsversorgung, die auf Prävention und nicht auf Profit ausgerichtet ist; Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor Covid und Arbeitsunfällen
  • Beendigung der Unterdrückung von Arbeiterkämpfen; Aufhebung der Sicherheitsdekrete gegen Immigranten und soziale Kämpfe; Organisations- und Streikfreiheit, demokratische Vertretung der Arbeiter, Ende des Monopols der offiziellen Gewerkschaften;
  • Gleiche Rechte für Einwanderer, echte Gleichberechtigung für Frauen, Ende der Unterdrückung der Geschlechter;
  • keine Militärausgaben, Abzug der Truppen aus Übersee.

Der Streik war dort erfolgreich, wo die Arbeiter*innen mit kämpferischen Gewerkschaften organisiert sind, wie im Logistiksektor, wo Lager- und Auslieferungsarbeiter in Gruppen wie SDA, BRT, GLS, DHL, Fedex, Ceva, Leroy Merlin, Tigotà, Geodis, Xpo, Csi, FM Logistic, Zara, Zalando, UPS, Amazon, Ikea, Nippon, Steritolm, LIDL, Carrefour, usw. (meist eingewanderte Arbeiter, organisiert in SI Cobas) streikten, nachdem sie die Plattform in Dutzenden von Versammlungen diskutiert und gebilligt hatten. Der Warenverkehr war stark beeinträchtigt. In mehreren Städten streikten auch die Beschäftigten des öffentlichen Personennahverkehrs, die in verschiedenen Gewerkschaften organisiert sind. Sie streikten zusammen mit den Beschäftigten der Fluggesellschaft Alitalia (die 7.800 Arbeitsplätze abbaut), mit Lehrern an mehreren Schulen und Beamten.

In mehreren Städten, darunter Turin, Mailand, Genua, Bologna und Florenz, fanden Protestmärsche mit tausenden von Teilnehmern statt, in Genua, Bologna, Florenz (mit GKN-Beschäftigten, die ihr Werk gegen die Schließung besetzen), Rom, Neapel, Tarent und Palermo.

SI Cobas organisierte eine Massendemonstration und eine Mahnwache vor den Toren des Amazon-Auslieferungscenters in Castel San Giovanni (in der Nähe von Piacenza), dem größten Amazon-Lager in Italien, mit etwa 1.600 Festangestellten und Tausenden von Zeitarbeitern. Mehr als eintausend Arbeiter im Streik, viele von ihnen aus dem gleichen Logistikzentrum in Castel San Giovanni, andere aus Piacenza, Mailand, Pavia und Parma nahmen an der Demonstration teil, die den Lkw-Verkehr für fünf Stunden blockierte. An den Toren von Amazon sprachen mehrere Arbeiter über die Gründe für den Generalstreik, über die Notwendigkeit für die Amazon-Arbeiter, die Prekarität zu bekämpfen, Ausbeutung und das Angstregime in den Lagern zu bekämpfen, und über ihre Kampferfahrungen, durch die sie bessere Löhne und Arbeitsbedingungen und vor allem aber Respekt errungen haben, wo sie sklavenähnlich behandelt wurden. Eine Solidaritätsbotschaft der IG Metaller aus Dresden (Deutschland) wurde verlesen und mit Beifall bedacht, ebenso wie die Ankündigung einer Solidaritätsaktion mit dem Streik vor dem italienischen Konsulat in San Francisco, wobei auch die Kämpfe bei FedEx und Amazon erwähnt wurden. Diese Konzerne, die in den USA offen gewerkschaftsfeindlich sind, haben in Italien Abkommen mit den offiziellen Gewerkschaften unterzeichnet, um kämpferische Gewerkschaften zu zerschlagen (FedEx, wo eine große Mehrheit Mitglieder von SI Cobas sind) oder sie daran zu hindern, unter den Arbeitern Fuß zu fassen (Amazon), während die Mehrheit der in Zeitarbeitsverhältnissen unter der ständigen Drohung, entlassen zu werden, und unter ständigem Druck, ihre gesamte Energie in die Produktion zu stecken, für den Profit von Jeff Bezos und anderen Aktionäre. Amazon hat sich darüber beschwert, dass es am 11. Oktober den schlimmsten Schaden in seiner seiner Geschichte erlitten hat. Die Polizei hat mit Vergeltungsmaßnahmen gegen die Gewerkschaftsaktivisten gedroht. Die Streikposten haben den Amazon-Beschäftigten gezeigt, wie stark sie sind, wenn sie sich zusammenschließen, und dass der globale Riese Amazon nicht unbesiegbar ist.

SI Cobas arbeitet weiter an der Ausweitung des Netzwerks kämpferischer Arbeiter, um das in Italien und  international zu erweitern, mit dem Ziel die Millionen von nicht organisierten Arbeiter*innen einzubinden, die unter zunehmender Prekarität und Ausbeutung leiden.

Arbeiter*nnen der Welt, vereinigen wir uns!

www.sicobas.org

(eigene Übersetzung in deutsch)

 

 

 

 

THE OCTOBER 11 GENERAL STRIKE IN ITALY

On Monday, October 11 a general strike was called in Italy by fifteen alternative unions. It

was the first such unitary strike in over one decade, in the effort to break the silence imposed

on the working class by the official unions (CGIL, CISL and UIL), which prefer “concerting”

with the government than organising struggles in defence of workers’ conditions.

The strike has been called against the government and the bosses to support a list of

demands, among which:

  • Wage increases to recover lost purchasing power and rising inflation (from petrol to gas

and electricity rates);

stop dismissals of workers, reduction in working hours, with wage compensation, in order

to “work less, work everybody”;

a living minimum wage and unemployment benefits;

permanent jobs against precariousness of temporary and fixed time jobs;

no taxes on living wages, 10 percent wealth tax on the wealthiest 10 percent;

public, universal, free healthcare, aimed at prevention, not profit; safety measures

against covid and workplace accidents;

stop repression of workers’ struggles; cancel security decrees against immigrants and

social struggles; freedom of organisation and strike, democratic representation of

workers, end official unions’ monopoly;

equal rights for immigrants, real parity for women, end gender oppression;

no military expenses, withdraw troops from overseas.

The strike has been successful where workers are organised with combative unions, as in

the logistic sector, where warehouse and delivery workers in groups like SDA, BRT, GLS,

DHL, Fedex, Ceva, Leroy Merlin, Tigotà, Geodis, Xpo, Csi, FM Logistic, Zara, Zalando, UPS,

Amazon, Ikea, Nippon, Steritolm, LIDL, Carrefour, etc. (mostly immigrant workers, organised

with SI Cobas) went on strike after discussing and approving the platform in dozens of

assemblies. Circulation of goods was heavily affected. Also workers in local public transport

in several cities, organised with different unions went on strike, together with Alitalia airline

workers (which is shedding 7,800 jobs), teachers in several schools and public servants.

Marches with thousands of participants took place in several cities, including Turin, Milan,

Genoa, Bologna, Florence (with GKN workers, who are occupying their factory against

closure), Rome, Naples, Taranto, Palermo.

SI Cobas organised a mass demonstration-and-picket at the gates of the Amazon fulfilment

centre in Castel San Giovanni (near Piacenza), the largest Amazon warehouse in Italy, with

about 1.600 permanent and thousands of temporary workers. More than one thousand

workers on strike, many of them from the same logistic compound in Castel San Giovanni,

others coming from Piacenza, Milan, Pavia, Parma participated in the demonstration, which

blocked truck traffic for five hours. At the Amazon gates several workers spoke about the

reasons of the general strike, about the need for Amazon workers to fight precariousness,

exploitation and the fear regime inside the warehouse, and about their experiences ofstruggle, through which they have won better wages and working conditions, and – most

important – respect where they had been subject to slave-like treatment. A solidarity

message from IG Metall workers in Dresden (Germany) was read and applauded, as well as

the announcement of a solidarity action with the strike at the Italian consulate in San

Francisco, mentioning the struggles at FedEx and Amazon. These corporations, which in the

U.S. are openly union-busters, in Italy have signed agreements with the official unions, in

order to crush militant unions (FedEx, where a large majority are members of SI Cobas), or

prevent them from gaining a foothold among workers (Amazon), while keeping a majority of

its workers in temporary employment, under the constant threat of being fired and constant

pressure to squeeze all of their energy into production, for the profit of Jeff Bezos and fellow

shareholders. Amazon has complained having suffered, on October 11, the worst damage in

its history. The police has threatened retaliation against union activists. The picket has

shown Amazon workers the power of their number when united, and that the global giant

Amazon is not invincible.

SI Cobas keeps working to extend the network of combative workers, in Italy and

internationally, aiming to involve the millions of unorganised workers who are suffering

increasing precariousness and exploitation.

Workers of the world, let’s unite!

www.sicobas.org

Einen Bericht zum Generalstreik gibt es in italienisch:  https://www.facebook.com/306442629554441/posts/1637407969791227/

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