Informationsbrief zum ICOG-Treffen

5. September 2021: Die Internationale Koordinierungsgruppe (ICOG) traf sich am 15. August zum zweiten Mal online. Es lagen Länderberichte aus Brasilien, Deutschland, Indien, Südafrika vor, sowie eine Erklärung zur aktuelle Lage aus Tunesien. Entschuldigt war unser Vertreter aus den Philippinen. Die Länderberichte, Resolutionen, Solidaritätserklärungen und den Aufruf der ICOG zum Internationalen Tag gegen Faschismus und Krieg dokumentieren wir auf unserer Homepage.

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Das Treffen zeigte einen weiteren Fortschritt in der Kollektivität und Vereinheitlichung innerhalb der ICOG. Es wurde als positiv und produktiv von den Teilnehmern bewertet.

Die Länderberichte gaben eine tiefen Einblick in die Situation und den Kampf der Automobilarbeiter und ihrer Familien weltweit. Aktuell wurde aus Indien berichtet: „Das Management von GM in Indien hat am 12. Juli 2021 alle verbliebenen 1083 Arbeiter entlassen. Bharat Forge Chakan beendete die Beschäftigung von 250 fest angestellten Beschäftigten durch einen Vergleich. Hyundai Motors schloss das Werk für einige Tage aufgrund von Tarifverhandlungen und Sicherheitsproblemen in Verbindung mit der Entlassung einiger Arbeiter. Die Gewerkschaft von Nissan und von Royal Enfield befinden sich in einem Kampf. Bei Tata Marcopolo steht der Tarifabschluss ebenfalls noch.“ Die ICOG verabschiedete eine Solidaritätserklärung gegen die illegalen Entlassungen bei GM in Talegaon. „Wie die Economic Times berichtet, plant Great Wall Motors, einige Investitionen von Indien nach Brasilien zu verlagern. Maruti-Suzuki hat seinen Produktionsplan aufgrund des Mangels an Halbleiterchips reduziert.

Aus Deutschland wird informiert: „In den Betrieben wurde die Vernichtung von 100.000 Arbeitsplätzen in der Automobil-, Stahl- und Chemieindustrie bis 2025 bereits seit 2018 eingeleitet, vor allem über die Entlassung von Leiharbeitern und befristet eingestellten Kollegen, und über angeblich „freiwillige“ Abfindungen. Die Unterschrift darunter wird oft nur mit durch Druck, Drohungen mit Versetzungen in weit entfernte Produktionsstätten und über Mobbing erpresst.“

Zur Rechtsentwicklung in Brasilien unter der Regierung Bolsonaro: „Kürzlich genehmigte die Regierung den Verkauf von 100 % der Post, einem staatlichen Unternehmen, und beabsichtigt die Privatisierung anderer strategischer staatlicher Unternehmen wie Eletrobras, Petrobras … Die Regierung Bolsonaro hat Programme zur Reform des Arbeitsrechts aufgelegt, die in der Praxis die prekären Arbeitsbedingungen und die Arbeitslosigkeit fördern und eine Kategorie von Arbeitern zweiter Klasse schaffen. …

Tod durch Covid oder Hunger - Mit mehr als 560.000 Toten durch Covid-19 und nur 23% der Bevölkerung, die geimpft sind, haben wir immer noch 15 Millionen Arbeitslose, eine Inflation im zweistelligen Bereich, und exorbitante Preise für die meisten Grundnahrungsmittel.“

Aus Südafrika wird berichtet: „Seit langem leiden wir unter Arbeitsplatzverlusten durch Werksschließungen, durch Personalabbau, schlanke Produktion und schlanke Verwaltung. Durch das Outsourcing haben wir erneut Arbeitsplatzverluste, Lohn- und Gehaltskürzungen, den Verlust von Sozialleistungen wie z. B. medizinischen Hilfsmitteln usw. erlitten. All dies geht einher mit einer übermäßigen Ausbeutung der Arbeiter durch die Bosse. Die Covid-19-Pandemie hat diese sehr schlechten Arbeitsbedingungen nur noch verschlimmert. Die Regeln und Vorschriften zur Pandemie haben die Stilllegung von Arbeitsplätzen für einen bestimmten Zeitraum erzwungen, und in den meisten Fällen wenden die Unternehmer die "No work no pay"-Regel an.“ Dazu aus Deutschland: „Das langsame Impftempo weltweit ist eine Katastrophe und Ausdruck der Menschenfeindlichkeit des Imperialismus. In Deutschland wird die 4. Welle sehenden Auges hingenommen.“

In der Diskussion berichtete der Vertreter aus Tunesien: „Am 25. Juli reagierte der Präsident auf eine Masse von Leuten, die forderten, dass das Parlament aufgelöst wird. Das Parlament steht für Tyrannei, Korruption und die Massen fordern die Beendigung davon. Es handelte sich aber nicht um einen Staatsstreich. Die Regierung will das Land an die globalen Monopole verkaufen. Das führte zur Verarmung, Leute verhungern, erhöhte Preise für Öl, Zucker, Kraftstoffe, landwirtschaftliche Ma­terialien, Nahverkehr, Elektrizität.“ Alle berichteten über eine wachsende antikapitalistische Tendenz in den verschiedenen Ländern. Aus Deutschland: „Besonders wird der Antikommunismus gezielt geschürt und fortschrittliche linke Menschen offen unterdrückt. Im sogenannten „Gefährder-Prozess“ am 3. August erzielte Stefan Engel einen klaren Sieg, seine Einstufung als Gefährder verstieß gegen geltendes Recht. Herzlichen Glückwunsch dazu! “

Zum Aufbau der Automobilarbeiterkoordination wurde aus Deutschland berichtet: „Die IAC-Bewegung in Deutschland war am 1. Mai kämpferisch aufgetreten, hatte das erste Mal ein Video zur Mobilisierung erstellt, das auch in sozialen Netzwerken eingesetzt wurde, und war vor allem bei Daimler, VW und Opel aktiv gegen Arbeitsplatzvernichtung und für die Übernahme von Leiharbeitern. Am 22. Juni fuhr eine Delegation nach Frankreich zum Aktionstag in Sochaux. Für die Philippinensolidarität wurden Spenden gesammelt mithilfe von Spendenkarten für die Arbeiterschule in Manila.“ Aus Südafrika wurde betont: „Die Automobilindustrie in Südafrika befindet sich aus Sicht der Arbeiter in einem sehr schlechten Zustand. Wir leiden sowohl unter der lokal geplanten Ausbeutung unserer Klasse als auch unter der global geplanten. Diese Situation verstärkt und intensiviert die Forderung nach einer gut organisierten und gut koordinierten Internationalen Koordination der Arbeiter in der Automobilindustrie.

Notwendig ist die Zusammenarbeit und Koordinierung weiter auszubauen und zu stärken. Ausgehend von der Situation in Indien wurde aufgeworfen, wie wir die Einheit von Stammbelegschaften und Vertragsarbeitern, sowie zu den Zulieferern bewusst herstellen, welche gemeinsamen Forderungen wir aufstellen.

Dem Aufbau einer Plattform in der IAC-Bewegung für die Teilnahme an der antiimperialistischen und antifaschistischen Einheitsfront wurde von der ICOG einvernehmlich zugestimmt, wobei die ICOG als Ganzes nicht Teil dieser Plattform ist. Die Teilnahme entscheiden die beteiligten Kräfte selber. Die weitere Beratung und angestrebte Gründung der Plattform soll über ein online-Treffen im Oktober organisiert werden.

Der Finanzbericht wurde angenommen. Spendeninitiativen zum Aufbau der Arbeiterschule Paaralang Crispin Beltran in Manila in den Philippinen ergaben fast 6.000 Euro.

Es gibt noch keine Bewerbungen für das Austragungsland der 3. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz im Jahr 2025. Bis Februar 2022 nimmt die ICOG noch Bewerbungen an. Das nächste online-Treffen der ICOG wurde für Januar 2022 vereinbart.

 

Internationalistische Grüße

 

 

ICOG_Aufruf_zum_Internationalen_Kampftag_gegen_Faschismus_und_Krieg

 

 

ICOG_Solidaritaetsgruesse_zum_Internationalen_Aktions-_und_Protesttag_zu_den_Philippinen

 

 

Länderberichte:

 

Länderbericht Brasilien

 

Länderbericht Deutschland

 

Länderbericht Indien

 

Länderbericht Südafrika

 

Statement PPDS Tunesien

 

 

Resolutionen:

 

ICOG_Resolution_gegen_die_illegale_Entlassung_von_1086_Arbeitern_bei_GM_in_Indien

 

ICOG_Protesterklaerung_gegen_die_verstärkte_Unterdrückung_in_den_Philippinen

 

ICOG_Resolution_gegen_die_Verurteilung_des_ehemaligen_Vorsitzenden_der_Metallarbeitergewerkschaft_zu_einer_Gefängnisstrafe_wegen_der_Organisierung_der_Verteidigung_von_Arbeitsplätzen_bei_GM

 

Resolution_gegen_die_autoritären_Drohungen_der_Regierung_von_Jair_Bolsonaro_und_für_den_Kampf_zum_Sturz Bolsonaros

 

 

 

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