Kaufprämie für Neuwagen?

deutsche Koordinierungsgruppe der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz bezieht Stellung
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Automobilarbeiter*innen melden sich zur Kaufprämie zu Wort

Die tiefste Weltwirtschafts- und Finanzkrise seit 1929 mit weltweit sinkenden Absatzzahlen, gleichzeitiger Umstellung auf Elektromobilität, Digitalisierung und jetzt noch die Corona Pandemie als Krisenbeschleuniger fordern die Arbeiter*innen und Angestellten der Autoindustrie und Zulieferer heraus.

Wie weiter mit unseren Arbeitsplätzen und unserer Zukunft?

Seit Wochen fordern die Autokonzerne Kaufprämien für Neufahrzeuge. Dies unterstützt jetzt die Führung unserer IG-Metall. Konzernprofite sollen gesichert werden, so wären auch die Arbeitsplätze sicher. Selbst für Verbrenner (Benzin/Diesel) solle es Prämien geben, da daran Arbeitsplätze in der deutschen Autoindustrie hängen.

Kolleginnen und Kollegen fragen sich aber, wo ist denn das ganze Geld der Rekordjahre geblieben? Jährlich wurden Milliarden an Dividenden ausgeschüttet, für Strafzahlungen für kriminellen Dieselbetrug werden Milliarden bezahlt, und jetzt sollen die Kassen leer sein?

Gewinne wurden privatisiert und jetzt in der Krise sollen wir das System aufrecht erhalten, denn das Geld für das Konjunkturpaket wird aus unseren Taschen geholt.

Bei Betriebsvereinbarungen, sogenannten Standortsicherungen oder auch in der diesjährigen Nullrunde der Tarifrunde wird uns von den Vertretern der Klassenzusammenarbeit, meist Spitzen der Betriebsräte und IG-Metallführung, erzählt: „Verzicht rettet Arbeitsplätze!“

Doch genau dem widerspricht jede gewerkschaftliche Erfahrung, auch aktuell: Kurzarbeit und Lohnverlust über Wochen, nie gekannter Absatzeinbruch, bei OPEL Angriff auf Betriebsrenten, Arbeitsplatzabbau bei AUDI..BMW..DAIMLER, Samstagsarbeit, Angriffe auf Tarifverträge, Werkschließungen, Streichung von Ausbildungsplätzen und so weiter…

Nur im Kampf gegen die Konzerne und gegen Verzicht können Arbeitsplätze erhalten werden.

Wir brauchen keine Entlastung und Förderung der Konzerne auf Kosten der breiten Massen, sondern entschlossenen Kampf um jeden Arbeitsplatz. Deshalb:offensiver Kampf für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, von Montag bis Freitag!

Dazu empört uns, dass bei der Diskussion um Kaufprämien die Frage der Umwelt und die Frage der Arbeitsplätze gegeneinander ausgespielt wird. Als ob wir mit Arbeitsplätzen in einer versauten Umwelt etwas anfangen könnten, oder als könnte man die Umwelt nur retten, wenn wir alle arbeitslos wären.

Nein, anders herum macht es Sinn: Wir brauchen Arbeitsplätze und Erhalt der Umwelt!

Wir als Internationale Automobilarbeiterkoordination in Deutschland arbeiten aktiv in unserer IG-Metall, fördern dort wirkliche Demokratie und verkörpern die kämpferische Richtung, die sich allein den Interessen der Beschäftigten verpflichtet sieht und jede Klassenzusammenarbeit, jeden Betriebsegoismus und Sozialchauvinismus ablehnt und offen kritisiert.

Im Februar 2020 haben wir in Johannesburg/Südafrika auf unserer 2. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz ein Internationales Kampfprogramm beschlossen, das die Einheit der internationalen Automobilarbeiter*innen festigt: www.automotiveworkers.org

Wenn das derzeitige Wirtschaftssystem unsere Bedürfnisse nach Arbeit, Essen, Wohnen usw. nicht erfüllt, dann „...brauchen wir eine Strategiedebatte in den Autobelegschaften über antikapitalistische, gesellschaftliche und sozialistische Alternativen – gegen jede antikommunistische, antirevolutionäre und anti-antikapitalistische Stimmungsmache.“ (Internationales Kampfprogramm)

Wir wollen ein reiches, würdevolles und gesundes Leben aller Menschen in Einklang mit der Natur – eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung, weil eine andere Welt möglich ist.“ (Gründungsresolution der internationalen Automobilarbeiterkoordination)

Deutsche Koordinierungsgruppe der Internationalen Automobilarbeiterkoordination

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