Werksbesichtigung bei Mercedes in East London: Produktion auf höchstem Niveau – nicht bei den Löhnen!

Am Mercedes-Werk im südafrikanischen East London angekommen, wird die People-to-People-Reisegruppe in einer schicken Empfangshalle vom pensionierten Leiter des Rohbaus begrüßt. Im Montagewerk produzieren 3-4000 Beschäftigte die C-Klasse-Limousine, sowie Daimler- und Fuso-LKWs1.

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Mit gelben Warnwesten und der Aufschrift „Visitors“ (Besucher) geht es als erstens in den Rohbau, hier Bodyshop genannt. Etwa 500 Roboter von Kuka aus Deutschland betimmen das Bild. Sie werden gesteuert, überwacht und gewartet von hochqualifizierten Systemführern. Nur der Pausenraum, in dem ein Tisch und zwei Bänken ohne Lehne ist, steht dazu im scharfen Kontrast.

Weiter geht es in die eigentliche Montagehalle der C-Klasse, wo das Fließband und die an großen Tafeln aufleuchtenden Soll- und Ist-Stückzahlen den Takt diktieren. Hier arbeiten die meisten Frauen, deren Anteil mit 20 Prozent weitaus höher liegt, als in der Autoproduktion in Deutschland. Fast alle Arbeiter sind schwarzer Hautfarbe. Bei den Vorgesetzten überwiegen die Weißen! In der Montage bekommen die Schwarzen etwa 200 bis 250 Euro die Woche. Bei Erfüllung der Ziele werden fünf Wochen bezahlt.

Obwohl eine Werksbesichtigung der Firma so organisiert ist, dass man nicht mit Kollegen ins Gespräch kommt, nutzten einige Teilnehmer die wenigen Möglichkeiten dazu. So freuten sich Arbeiter, wenn sie unsere IG Metall – und IAC-Logos auf Mütze oder T-Shirts sahen, wir ihnen mit dem „Daumen nach oben“ unsere Solidarität zeigten oder „greetings1 von Sindelfingen oder Untertürkheim“ ausrichteten. Vereinzelt waren auch kurze Wortwechsel möglich.

Am frühen Abend hatten wir dann im Marikana-Haus die Gelegenheit, unsere Erfahrungen mit Genossinnen und Genossen der CPSA/ML auszutauschen. Eine wesentliche Stärke ihrer Arbeit besteht darin, dass sie einen Schwerpunkt auf eine marxistisch-leninistische Kleinarbeit in den Betrieben und Gewerkschaft legen. Die Genossen sind stolz darauf, dass sie zu Arbeitern in allen Autokonzernen Kontakte haben und auf Kämpfe Einfluss nehmen können. Dieser wird von der trotzkistischen Führung der klassenkämpferischen NUMSA-Gewerkschaft bekämpft. Allerdings nicht offen, aus Angst vor der Gewerkschaftsbasis. Deshalb gibt es auch keinen Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber Marxisten-Leninisten, wie in der IG Metall.

Interessant war die Antwort eines Mercedes-Angestellten auf die Frage, wie es sein kann, dass die Firma das Ziel einer Krankenquote von gerade mal 0,4 Prozent ausgeben kann. Hier wirkt zum einen: Wer sich nicht krank meldet bekommt eine Prämie und kann in einer Lotterie eine C-Klasse gewinnen. Zum anderen, dass jede Kolleg*in zum Werksarzt gehen kann und zeitweise aus der Produktion genommen wird, wenn sie oder er krank ist. Zugleich sorgt die ständige Verschärfung der Ausbeutung dafür, dass aktuell in der Tarifrunde und der Arbeit der CPSA/ML, die Arbeiter zum Kampf bereit sind. Mit großem Respekt und der gemeinsamen Verpflichtung zur internationalen Koordinierung und Revolutionierung der Kämpfe verabschiedeten wir uns von den Genossen.

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