Ganz neu zum 1.6.19 veröffentlicht: ENTWURF FÜR EIN KAMPFPROGRAMM DER ZWEITEN INTERNATIONALEN AUTOMOBILARBEITERKONFERENZ IN-JOHANNESBURG / SÜDAFRIKA IM FEBRUAR 2020

Die 2. Internationale Automobilarbeiterkonferenz (IAWC) hat als erstes Ziel die Herstellung einer wirkliche Koordination der Kämpfe der Automobilarbeiter. Die internationale Einheit der Arbeiter ist notwendig gegen die Gier der multinationalen Konzerne. Dem dient die weltweite Verbreitung dieses internationalen Kampfprogramms, seine Diskussion im Vorfeld und Verab­schiedung auf der IAWC und die Durchführung von internationalen Automobilarbeiterkonferen­zen. Wir arbeiten auf der Grundlage deren Beschlüsse und Organisationsgrundsätzen. Für die Realisierung dieser Ziele zur Koordination der Automobilarbeiter zur 2. IAWC sollte ein Kampfprogramm erstellt werden, in dem unsere Zukunftsvision und unsere wichtigsten Forde­rungen im internationalen gemeinsamen Kampf präzise formuliert sind.

(Entwurf Internationales Kampfprogramm als download)

DIE FORDERUNGEN

DER INTERNATIONALEN AUTOMOBILARBEITERKONFERENZ (IAWC)

 

1.) Bei den großen Automobilherstellern ist ein umfangreicher Prozess der Umstrukturierung im Gange. Mit dem Einsatz ihrer hohen Gewinne wollen sie die Profitabilität der dynamischs­ten technologischen Bereiche der Wirtschaft erreichen oder sogar übertreffen. Deshalb sind sie in einem Wettlauf darum, wer die neuen Technologien am besten nutzen kann. Diese Um­strukturierung ist teuer für die Arbeiter. Tausende Arbeitsplätze gingen verloren, Fabriken wur­den geschlossen. Löhne und Sozialleitungen sanken. Die Arbeiter leiden unter diesen Angrif­fen. Die technologische Entwicklung hat die Lebensbedingungen der Automobilarbeiter nicht verbessert. Errungenschaften gingen verloren. Angesichts des industriellen Wandels, den die Elektromobilität für alle Autokonzerne und Zuliefererunternehmen mit sich bringen wird, weist das IAWC zurück, dass die Erhöhung der Produktionskapazität, die die neuen Technologien unter kapitalistischen Bedingungen erzeugen werden, den negativen Effekt haben wird, dass Hunderttausende von Arbeitsplätzen verloren gehen werden, wie von den Unternehmen ange­kündigt.

ARBEITSZEIT VON 30 STUNDEN PRO WOCHE ODER 6 STUNDEN PRO TAG OHNE LOHNKÜRZUNG als wichtigste ökonomische Forderung im Kampf um jeden Arbeits- und Aus­bildungsplatz und gegen die Massenarbeitslosigkeit; der es ermöglicht, den mit einer grö­ßeren Produktionskapazität geschaffenen Reichtum zu verteilen und zu mehr verfügbarer frei­er Zeit für die Beschäftigten und gesellschaftlicher Entwicklung führt.

Angesichts des geringeren Arbeitskräftebedarfs bei technologischen Fortschritten, müssen wir die Arbeit verteilen, um die Beschäftigung zu erhalten, die Ausbeutung zu vermindern und das Leben der Arbeiter zu verbessern. Sowohl der technologische Wandel der so genannten In­dustrie 4.0 als auch die durch die Elektromobilität verursachten krisenhaften Veränderungen drohen die Zerstörung Tausender von Arbeitsplätzen. Es ist klar, dass die Einheit der Arbeiterklasse der Weg ist, um diese Ziele zu erreichen. Wir müssen die Vereinbarungen über Flexibilität, mehr Arbeit und andere Maßnahmen, die täglich zum Abbau von Arbeitsplätzen führen, beenden. Die kohärente (zusammenhängende) Reaktion aller Gewerkschaften besteht darin, die Zusammenarbeit bei Produktivitätssteigerungen und Flexibilität zu beenden und um jeden Arbeitsplatz zu kämpfen.

Wir rufen alle Arbeitnehmer auf, sich bei der Verteidigung unserer Arbeitsplätze und der Ver­besserung der Arbeitsbedingungen zu vereinen. DU BIST NICHT ALLEIN, ES GIBT MEN­SCHEN WIE DICH, DIE INTERNATIONAL KÄMPFEN.

 

2.) KAMPF FÜR HÖHERE LÖHNE!

Die Löhne der Arbeiter sinken, während die Gewinne der Unternehmer steigen. Die Krise mit steigenden Preisen frisst die Löhne auf, und es ist notwendig das Überleben der Arbeiter zu verteidigen. Neu eingestellte Mitarbeiter haben niedrigere Löhne, die die Hälfte oder bis zu ei­nem Drittel der älteren erreichen. Wir müssen die Löhne verbessern. Wir fordern „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! und eine allgemeine Lohnerhöhung.

 

3.) REDUZIEREN DER TAKTE, GESUNDHEIT VERBESSERN!

Wir können nicht zulassen, dass Roboter, während ihr Einsatz durch die Kapitalisten Ar­beitsplätze zerstört, diejenigen, die mit ihren Händen arbeiten, krank werden und durch un­menschliche Taktzeiten Unfälle erleiden.

Wiederholte Arbeit in der Automobilindustrie und immer stressigere Takte durch den Einsatz automatisierter Messsysteme verursachen Krankheiten und Verletzungen bei immer jüngeren Alter. Wir müssen humanere Takte erkämpfen, um die Überausbeutung am Arbeitsplatz zu beseiti­gen und die Gesundheit aller Arbeitnehmer zu gewährleisten.

KÜRZUNG DES RENTENEINTRITTSALTERS;

Wir lehnen die anhaltenden Angriffe des Kapitalismus auf das Recht auf Rente ab. Die Anhe­bung des Rentenalters ist gegen den Fortschritt, die Zukunft und die Vernunft gerichtet. Wir fordern das Gegenteil. An Arbeitsplätzen, bei denen Krankheiten durch kurze Takte verursacht werden, bedeutet die Arbeit für über 50-jährige Menschen ein ernster Angriff auf die Gesund­heit.

 

4.) SOZIALES ENGAGEMENT FÜR SAUBERE UND NACHHALTIGE TECHNOLOGIEN. Stärkung der Einheit der Umwelt- und Arbeiterbewegung im Kampf gegen die Zerstörung der natürlichen Umwelt und die Verschlechterung der Gesundheit; Wir wollen uns nicht entschei­den zwischen Arbeitsplätzen und Umweltschutz - wir fordern beides! Nicht der Umweltschutz ist schuld an der Vernichtung von Arbeitsplätzen, sondern das Profitstreben der multinationa­len Konzerne!

Mit der Aufdeckung des kriminellen Abgasbetrugs durch die Manipulation der Software von Diesel-Motoren rückte seit 2015 die Umweltfrage in den Fokus der gesellschaftlichen Diskussion. Zur Erzielung von Maximalprofiten nahmen führende Manager der Autokonzerne bei VW, Audi, Daimler und viele mehr die mutwillige Zerstörung der Umwelt und die massiven Auswirkungen und Gesundheitsbelastungen bis hin zu tausenden Toten in Kauf. Gedeckt und gefördert wurde das in vielen Ländern durch Verantwortliche in den Regierungen als willfähri­ge Handlanger der internationalen Auto- und Energiemonopole.

Seit der Internationalen Konferenz der Automobilarbeiter (IAWC) sind wir uns des Verschmut­zungsgrades der Automobilindustrie und der schwerwiegenden Folgen bewusst, welche Autos für die Umwelt haben. Wir kämpfen darum, dass die Automobilproduktion immer umwelt­freundlicher wird. Dass emissionsfreie Automobile sowohl bei der Herstellung als auch bei Be­trieb und Recycling hergestellt werden. Wir akzeptieren nicht, dass die multinationalen Konzer­ne den Bedarf an sauberer Energie nutzen, um eine brutale Umstellung der Industrie auf Kosten der Arbeiter zu bewirken Wir lehnen einen neuen globalen Umweltbetrug ab: WIR fallen NICHT auf Ihre POLITIK des Angstmachens herein. Wir denken, dass die Zeit gekommen ist, „genug“ zu sagen. Die Autoindustrie hat ein exponentielles Wachstum mit astronomischen Profiten gehabt, diese Umstrukturierung wird sie weiter erhöhen, deshalb müssen Unternehmen dafür bezahlen. Die Arbeitsbedingungen der Arbeiter müssen sich verbessern.

Wir fordern die lückenlose Aufdeckung aller kriminellen Machenschaften und die Bestrafung und Haftung der Verantwortlichen mit ihrem Privatvermögen. Keine Abwälzung der Folgen des kriminellen Abgasbetrugs auf die Belegschaften und ihre Familien, auf die Kunden sowie die gesamte Gesellschaft. Kampf für 100% emissionsfreien Verkehr, für eine nachhaltige und um­weltverträgliche Mobilität der Zukunft. Für eine Elektromobilität auf der Grundlage erneuerba­rer Energien! Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und dessen kostenfreie Nutzung.

 

5.) WIR LEHNEN EINE UNTERORDNUNG UNTER DEN KONKURRENZKAMPF DER KON­ZERNE UND IHRER PROFITLOGIK AB, die oft auch von Gewerkschaftsführern unterstützt wird; wenn sie Vereinbarungen unterzeichnen über Lohnkürzungen, für mehr Flexibilität, wel­che die Lebensbedingungen der Arbeitenden zerstören, für höhere Arbeitstakte, die die Ge­sundheit von vielen von uns kaputt machen. Die IAWC lehnt diese Politik der Klassenzusam­menarbeit ab und fordert positive Lösungen für die die jeden Tag mit ihren Händen oder Ver­stand in allen Unternehmen Wohlstand schaffen.

Wir treten für die Stärkung der Gewerk­schaften als Kampforganisationen für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingun­gen der Arbeiter ein und fördern die gewerkschaftliche Einheit auf kämpferischer Grundla­ge ...“ (Gründungsresolution der Internationalen Automobilarbeiterkoordination, Oktober 2015)

 

6.) Das sechste Ziel ist die VERTEIDIGUNG DER ZUKUNFT DER ARBEITERJUGEND. Weil wir an die Jugend denken, können wir uns unsere Arbeitsplätze nicht durch noch so hohe Ab­findungen abkaufen lassen, sondern kämpfen um jeden Arbeitsplatz! Zweit- oder drittklassige Löhne untergraben die Zukunft unserer Arbeiterjugend und der neuen Generationen. Die Ar­beiterjugend ist besonders durch die Rechtlosigkeit durch Leiharbeit und Befristungen betrof­fen. Wir fordern die unbefristete Übernahme aller Auszubildenden entsprechend der Ausbil­dung und die dauerhafte Festeinstellung von Jungarbeitern!

 

7.) In der Auto- und Zuliefererindustrie sind FRAUEN in vielen Bereichen unterrepräsentiert und schlechter bezahlt. Neben dieser Form der doppelten Ausbeutung gibt es eine besondere Unterdrückung in den Betrieben durch eine ungleiche Behandlung von Frauen und Mädchen, bis hin zu sexueller Unterdrückung, Mobbing und Gewalt. Den Frauen wird meist die ganze Last der Kindererziehung und Pflege von Angehörigen, die Reproduktion der Arbeitskraft auf­geladen. Wir setzen uns ein für eine Frauenförderung in den Betrieben und Gewerkschaften und arbeiten eng mit der internationalen kämpferischen Frauenbewegung zusammen.

 

8.) Autokonzerne nutzen sowohl Zeitarbeitsfirmen als auch Aufträge über Subunternehmen, als eine neue Form der sogenannten „Prekarität“, die fast sklavenhaft ist. Arbeitsplätze in Un­ternehmen werden als befristete Arbeitsplätze ausgewiesen, obwohl sie in Wirklichkeit feste Arbeitsplätze sind. Damit üben sie einen großen Druck auf den Arbeitswillen und erreichen eine immer weiter ansteigende nicht zu akzeptierende Prekarität.

Darüber hinaus bedeuten die Gehälter dieser Beschäftigten eine Einsparung von Sozialleis­tungen, da die Muttergesellschaft ihre Zahlung als Kosten und nicht als Gehalt deklariert.

Wir fordern die ABSCHAFFUNG VON ZEITARBEIT UND OUTSOURCING DER BESCHÄF­TIGTEN und dass die Arbeiter bei den Hauptunternehmen eingestellt werden.

Wir akzeptieren nicht, dass Unternehmen zwar ihre Gewinne durch technologische Verbesse­rungen steigern, aber für diejenigen, die arbeiten, die Entlassungen und verschlechterte Be­dingungen sein können.

Deshalb ist es notwendig, eine progressive und umsatzbezogene Besteuerung der Großunter­nehmen zu fordern, damit genügend Mittel zur Verfügung stehen, um die obligatorischen Ren­ten- und Sozialleistungen zu erhöhen und der geschaffene Wohlstand verteilt wird.

Rückerstattung von öffentlichen Hilfszahlungen an Unternehmen, welche Massenentlassun­gen durchführen und Werke verlagern. Die Fähigkeit multinationaler Konzerne, in jedem Land zu entscheiden, ob sie Werke eröffnen oder schließen wollen, führt zu kontinuierlicher Erpres­sung von Tausenden von Menschen sowohl in den Muttergesellschaften als auch bei den Lie­feranten. Gesetze werden auch genutzt, um öffentliche Beihilfen zu nutzen, die oft zu direkten Gewinnsteigerungen führen.

Wir fordern, dass die Regierungen eine solche Verwendung öffentlicher Gelder verhindern, in­dem sie Gelder zurückfordern, wenn Unternehmen Entlassungen, Standortverlagerungen und Maßnahmen gegen die Arbeiter beschließen.

Aber vor allem verstehen wir, dass gewerkschaftliche Maßnahmen gegen Unternehmen und die Regierungen, die sie schützen, das beste Instrument sind, um Erpressungen und Entschei­dungen gegen Arbeitnehmer zu verhindern.

 

9.) Das 9. Ziel ist es, unsere Koordination auf den KAMPF GEGEN DEN VORMARSCH DER RECHTEN UND FASCHISTEN IN DEN REGIERUNGEN auszudehnen. Durch die Rechtsent­wicklung von Regierungen und Staaten haben Angriffe auf die ArbeiterInnen massiv zugenom­men. Die politische Unterdrückung der Kämpfe der Automobilarbeiter und ihrer Familien wurde forciert. Gleichzeitig entwickelte sich international ein fortschrittlicher Stimmungsumschwung, der sich in einem wachsenden Selbstbewusstsein und der Zunahme von Kämpfen ausdrück­te. Wir fordern ein vollständiges, allseitiges und gesetzliches Streikrecht! Gegen die Un­terdrückung und Spaltung setzen wir den Kampf für mehr demokratische und politische Rechte und Freiheiten in den Betrieben und in den Gewerkschaften! Für die Anerken­nung von Gewerkschaftsrechten!

Kein Fußbreit den reaktionären und faschistischen Kräften in den Betrieben!

Verbot aller faschistischen Organisationen!

Zusammenarbeit mit anderen Bewegungen im Kampf gegen den Faschismus und gegen die Rechtsentwicklung der Regierungen.

Wir können keine Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Ideologie, Rasse oder Fä­higkeit akzeptieren.

 

10.) FÜR EINE SOZIALE ALTERNATIVE OHNE AUSBEUTUNG UND UNTERDRÜCKUNG anstelle von Krisenchaos und imperialistischen Kriegen. Wir brauchen eine Strategiedebatte in den Autobelegschaften über antikapitalistische, gesellschaftliche und sozialistische Alternativen!

Den sich verschlechternden Lebensbedingungen der Masse der Beschäftigten steht der wach­sende Wohlstand einiger weniger Kapitalisten und internationaler Monopole gegenüber. Krisen, Kriege führen zu Chaos, zunehmendem Elend und auch zur Zerstörung von Umwelt. Das ist es, was dieses auf Ausbeutung basierende kapitalistische System für uns bereit hält. Die Errungenschaften, die wir nach und und erreicht haben, werden zerschlagen. Es ist not­wendig, dieses ungerechte System zu überwinden.

Mit der Entwicklung von Handelskriegen und verschärftem Konkurrenzkampf der internationa­len Automobilmonopole wächst die Kriegsgefahr. Der zunehmend aggressive Konkurrenz­kampf ist begleitet vom Einfluss einer nationalistischen oder sozialchauvinistischen Denkweise auf die Automobilarbeiter und ihre Familien. Statt sich für Machtinteressen von Nationalstaaten oder Konzernen einspannen zu lassen, müssen die Arbeiter sich international auf ihre Klas­seninteressen besinnen und die internationalen Klassensolidarität stärken.

"Wir bleiben beim Kampf um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht stehen. Wir wollen ein reiches, würdevolles und gesundes Leben aller Menschen in Einklang mit der Natur – eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung, weil eine andere Welt möglich ist.“ (Gründungsresolution der Internationalen Automobilarbeiterkoordination, Oktober 2015)