Volkswagen Solidaritäts-Charta

Fassung vom 11.11.2015 beschlossen auf dem 1. IAC 2015 im Oktober 2015 Die 600.000 Arbeiterinnen, Arbeiter und Angestellte im VW-Konzern arbeiten mit Millionen Automobilarbeitern anderer Konzerne und Zulieferer in riesigen Produktionsverbünden rund um den Globus auf vergleichbar hohem technischen Niveau zusammen.

Mit dieser Solidaritäts-Charta verpflichten wir uns, die Einheit der Belegschaften über Länder­grenzen hinweg zu fördern und dazu beizutragen, eine überlegene Kraft gegen Konzerne und Regierungen zu werden.

Wir entwickeln eine dauerhafte und verbindliche Zusammenarbeit.

  • Wir informieren uns gegenseitig und organisieren die internationale Solidarität.
  • Wir fördern, dass sich die Kollegen und ihre Familien länderübergreifend besser kennen    lernen, und voneinander lernen, um damit den internationalen Zusammenschluss voranzutreiben.
  • Wir treten für die Stärkung der Gewerkschaften auf kämpferischer und überparteilicher Grundlage ein! Das System des Co-Managements lehnen wir ab.
  • Wir treten für gemeinsame Aktionen ein. Zwischen dem 28.04. (Tag der Arbeitssicherheit) und dem 1.Mai führen wir international koordinierte Aktionen durch.
  • Dazu haben wir 3 internationale Sprecher gewählt, die die Arbeit koordinieren und gestützt auf Berichte aus den Orten Informationsbriefe herausgeben.
  • Wir verstehen uns als Teil der weltweiten Automobilarbeiterbewegung, machen diese bekannt und werben neue Unterstützer, mobilisieren für die 2. IAC und bereiten sie aktiv vor. Wir brauchen zahlreiche Unterstützer, insbesondere Übersetzer.

Wir fördern, dass die Arbeiter fertig werden mit der VW-Konzernideologie von der „VW-Familie“ und der angeblichen „Gleichrangigkeit von Wirtschaftlichkeit, Arbeitsplätzen und Umweltschutz“. Damit sollen die Belegschaften für die Profitinteressen von VW gewonnen und im Kampf um die „Nummer 1“ gegen andere Belegschaften ausgespielt werden. Diese Spaltung widerspricht den Grundsätzen der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung!

Dieses Betrugssystem wird getragen und repräsentiert von Managern, Regierungsvertretern als auch Medienkonzernen, unterstützt von willigen Co-Managern in den Gewerkschaftsspitzen. Sie üben einen unglaublichen Druck auf die Belegschaften aus und bedrohen kritische Kollegen. So wurde VW zu einem der mächtigsten Konzerne der Welt.

 

Der „clean-Diesel“ war der Kern ihrer Offensive zur Eroberung weiterer Weltmarktanteile und Verdrängung der Konkurrenz. Dabei wussten sie von Beginn an, dass der Diesel nicht „sauber“ ist und trafen bewusst die Entscheidung, zu manipulieren. Damit stürzten der Aufsichtsrat und das Management mit Rückendeckung der Bundesregierung Volkswagen in eine tiefe Krise, deren Auswirkungen unvorhersehbar sind.

 

Der VW-Skandal erschüttert das Lügengebäude des „Systems VW“. Die Vereinbarkeit von kapitalistischer Ökonomie und Ökologie wird unglaubwürdig. Nicht nur bei VW, sondern in der gesamten Großindustrie und speziell in der Automobilindustrie. Unsere Umwelt wird mutwillig geopfert, um die Profite zu erhöhen, und damit wird die Existenz der Menschheit aufs Spiel gesetzt. Für den Profit wird am Verbrennungsmotor festgehalten. Das entspricht natürlich auch dem Interesse des Ölscheichtums Katar, einem Großaktionär von VW.

Und jetzt stellen sich der neue Vorstandsvorsitzende Matthias Müller und der Konzernbetriebsrats-vorsitzende Bernd Osterloh auch noch hin und sagen: „Gemeinsam können und werden wir die diese Krise bewältigen“.

Damit meinen sie, wir Arbeiter sollen aus Angst um unsere Arbeitsplätze mal wieder verzichten. Das ist aber nicht unsere Krise! Wir haben nicht betrogen und wir lehnen es ab, für die kriminelle Betrügerei der Vorstände und ihren Helfern in der Regierung die Zeche zu zahlen! Die Verursacher und Profiteure sollen bezahlen und müssen bestraft werden!

Ähnlich wie im Braunkohlebergbau oder der Atomindustrie wollen sie die Belegschaften dazu bringen, dass sie zugunsten der Arbeitsplätze die Umweltzerstörung in Kauf nehmen. Es ist eine Lüge, dass Umweltschutz Arbeitsplätze vernichtet. Wir brauchen beides – Arbeitsplätze und eine gesunde Umwelt. Schon längst könnte man die Energiegewinnung und den Verkehr umweltschonend umbauen und damit Arbeitsplätze sichern und schaffen.

Deshalb denken wir über den Kapitalismus hinaus. Wir sind für eine Gesellschaft frei von Ausbeutung und Unterdrückung – einer Gesellschaft, in der zum Nutzen der Einheit von Mensch und Natur produziert, konsumiert und gelebt wird.

Wir treten ein für:

  • Kampf um jeden Arbeitsplatz - gegen Entlassungen und Stilllegungen! Gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf die Belegschaften und die Gesellschaft.
  • Nur gemeinsam sind wir stark: Nein zu Streikbrecher-Arbeiten! Hoch die internationale Solidarität!
  • Für eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich statt Arbeitsplatzabbau. Deshalb: 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich! Gegen Überstunden und Flexibilisierung der Arbeitszeit!
  • Weg mit Zeitarbeit, Leiharbeit und Werkverträgen. Wir sind eine Belegschaft!
  • Kampf gegen die Zerstörung der natürlichen Umwelt. Für die Herstellung von Null-Emissions-Autos und den Ausbau eines kostenlosen öffentlichen Verkehrssystems.
  • Für gesunde Arbeits- und Lebensbedingungen. Keine Entlassungen wegen gesundheitlicher Probleme.
  • Für die Herabsetzung des Renteneintrittsalters!
  • Für das Recht auf gewerkschaftliche Arbeit im Betrieb, unser Recht uns zu versammeln, uns zu organisieren und politisch zu arbeiten. Unser Recht auf Streik ist unverzichtbar!
  • Solidarität mit allen Arbeitern, die von politischen Kündigungen oder Mobbing betroffen sind.
  • Für die Zukunft der Jugend, sie liegt uns besonders am Herzen. Jung und Alt gemeinsam im Kampf für unsere Forderungen. Für mehr Ausbildungsplätze und Übernahme nach der Ausbildung.
  • Wir fördern und unterstützen den Kampf gegen die besondere Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen und fördern ihre aktive Mitarbeit in allen Ebenen der Arbeiterbewegung.

Als letztes verurteilen wir, dass VW die extrem arbeiter- und volksfeindliche Politik in vielen Ländern der Welt, wie in Katar, ausblendet. Wir unterstützen Kämpfe für Freiheit, Frieden und Demokratie. Wir fordern die Aufklärung der Zusammenarbeit des VW-Konzerns mit der früheren Militärdiktatur in Brasilien.

Hoch die internationale Solidarität!

Sindelfingen, 16. Oktober 2015

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